21-10-04-CoTaBu-Viele JAs für H&M, Besuch bei Messie + Jakobs 1. Schultag

Die Begrüßung im Hospiz ganz nach Renates Facon eine Überraschung: auf dem Tisch ein Kistchen, darin lauter Lebensmittel von Kaffee über Kekse bis zum Schokoaufstrich, der Clou: alle Produkte mit dem großen JA! Darin ein Fähnchen von H&M! Auf diese Idee muss man kommen! Nicht jeder hat es gleich kapiert, Christine dachte, da sei jemand ein Fan der Firma „Ja“! – Bei mir ist vorerst WG-Leben angesagt. Jakob kam gestern Abend aus Rotterdam, hatte heute seinen ersten Tag in FFB in der Schule. NOCH sind wir einträchtig. Gestern hatte ich gekocht, heute haben wir uns zur Feier des Tages im Groß-wirt getroffen mit Michael. Ich finde es ziemlich aufregend und eine echte Leistung, am ersten Tag auf diese Riesenklassen losgelassen zu werden. Jakob hat recht lebhaft erzählt. Was er an Anregungen und Material mitgebracht hat, davon hätten wir früher nur träumen können. Er scheint freie Hand zu haben und legt mit Zeitgenossen los, ohne sicherzugehen, wen oder was die SchülerInnen überhaupt kennen. – Ich bin noch unter dem Eindruck eines Hausbesuchs: vermüllte Messiewohnung eines Altersgenos-sen. Krank, schwach, abgemagert; kaum eine Schneise zum Laufen, alles türmt sich, auch Müllberge, entsprechender Odeur. Ein reizender, liebenswürdiger Mensch, der beim Katholischen Bildungswerk gearbeitet hat; die zusammengebrochene Bücherwand zeugt von Geistesleben, das sich in seinen Gedanken und Worten spiegelt. Das Chaos allerdings, für das er sich schämt und entschuldigt, ist sichtlich über Jahrzehnte gewachsen. Seine Mutter sei auch so gewesen, so sei er aufgewachsen oder eben nicht: war dann im Heim bis 14-Jahre. Nicht wie manche randständige Persönlichkeit arrogant-ansprüchlich, sondern gewinnend-vertrauensvoll. Er stimmt meinem Vorschlag einer gesetzlichen Betreuung zu. Es gibt nur eine Kneipenbekanntschaft, der ihm alle paar Tage einige Semmeln vorbeibringt und gelegentlich – offenkundig nicht regelmäßig – Müll mitnimmt , aber die Wohnung noch nie betreten hat. Sowas habe ich noch nie gesehen – das will was heißen in meinem Beruf.

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5 Antworten

  1. Ines sagt:

    Ich musste bei den JA-Produkten und H&M auch erst zweimal lesen, bis ich es kapiert habe, sehr kreatives Hochzeitsmitbringsel. Und wie aufregend, der erste Schultag für Jakob. Es klingt so vielversprechend. Dein Hausbesuch hingegen heftig. Zum Glück ist er auf dich getroffen, die seine Qualitäten unter den ganzen Müllbergen wahrnimmt.

  2. Beate sagt:

    Du bist gefeiert worden! Die frisch Vermählte! Jakob kann ich nur gratulieren: weil er seinen Unterricht nach seinem Gusto gestalten kann! Ein gutes zweites Standbein. Zum Hausbesuch: Wo fängt Armut an? Die Bücherwand zeugt von früherem Wissen, auch seine Biografie. Wir alle kennen die Tage, wo die Kraft nicht reicht, um Ordnung zu schaffen. Was ist, wenn aus den Tagen Monate, Jahre werden? Aus der Unordnung Verwahrlosung ? Wenn sich über das, was man mal war, ein Schleier von Vermüllung legt? Eine Vision, die schrecklich ist, aber sind wir für alle Zeiten geschützt davor?

  3. Renate sagt:

    Das Jakob die neue Aufgabe souverän angeht finde ich bemerkenswert. Du hast viel zu seiner Stärke beigetragen. War Armut bei dem Mann mit der vermüllten Wohnung ein Thema?

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