2026-10-11- Weiter herumgehangen – Worte, die verwandeln – Annas residency im Fuggerschloss und ein zentnerschwerer Einkauf

Dank Bettruhe mal wieder ein Buch innerhalb kurzer Zeit von Anfang bis Ende gelesen (nicht gleichzeitig verschiedene), das in dem Fall mein Verhältnis zu Augsburg verwandelt, allem voran zum Puppenspiel. Marionetten, wie stets betont wird – wohl was ganz anderes als „Puppen“. Sehr interessant und berührend. Langsam bin ich ausgeschlafen. Mir ist die Lunge noch schwer, aber heute – Dienstag – bin ich früh angezogen, habe schon geschrieben, womit ich herzklopfend zufrieden bin. Vielleicht geht es heute mal ein paar Schritte vor die Tür. – Inzwischen hatte ich im Tran schon Tage verwechselt, schlechten Gewissens Herrn Diemer vermeintlich kurzfristig abgesagt, derweil war erst Mittwoch. Überhaupt ausgefallen: Am Montag Singen und Thomas, am Dienstag Singen, am Donnerstag Herr D., am Freitag Bines Freund Norbert. Langsam regen sich die Lebensgeister und ich kriege wieder Lust auf Anregung. – Ich hatte mich bei einer der Vorständinnen der Poesietherapeuten bedankt und Feedback gegeben, was sie in den Verteiler anderer Strippenzieher gesetzt hat, was mir wiederum weitere nette Nachrichten eingebracht hat. Auch konnte ich diese Leute inzwischen googeln und spannende Einträge lesen, die sie zum Thema veröffentlicht haben. Michaels belesener Cousine/Tante wollte nicht in den Kopf, wie Bücher bzw Lesen bzw Posie mit Therapie zusammengehen. Mir will nicht in den Kopf, dass jemand sich das nicht vorstellen kann. Warum liest ein Mensch, wenn es ihn nicht „in Stimmung bringt“, „versteht“, „heilt“, „berührt“, „in Beziehung bringt“, „sich und die Welt erfahren lässt“ oder sich „mit sich selbst ins Einvernehmen setzt“, „durch Worte sein Herz höher schlagen lässt“, „tröstet“. Wozu sollte Lesen sonst da sein, wenn es einen nicht verwandelt? Ein rechtes Wort an rechter Stelle versetzt Berge. Das ist mir diese Woche mit Beate passiert. Nicht im Buch, aber mit Worten. Wolle die Wandlung...

Ich sandele weiter vor mich hin. Für Sonntag allerdings haben wir ein Auto bei Stattauto gemietet und fahren nach Wellenburg hinter Augsburg, wo Anna gerade eine sogenannte „Residency“ ínnehat. Sie ist da weit ab vom Schuss; heute noch Besorgungen machen, die wir mitbringen können.

Sonntag Abend. Gerade kommen wir zurück aus dem Schloss der Fugger, wo Anna gerade residiert. Da sie den zur Verfügung gestellten BMW Modell gottweißwas nicht nutzen kann – sie hat keinen Führerschein – da das nächste Dorf einige Kilometer weit weg und die Gastgeber incl. sämlicher Bediensteter und Butler gerade verreist ist, haben wir einen großen Einkauf gebracht, der fürs Erste reichen dürfte. Bei ihr gefrühstückt, dann zur Fuggerei nach Augsburg gefahren, besichtigt, dort wieder gegessen, dann noch kurz ins Puppenmuseum, was gerade mehr mein Thema als Annas und schon gar Michaels ist, der Marionetten nicht mag und draußenblieb. Dann Anna wieder heimgebracht. Sie beaufsichtigt gerade einen unglaublich lieben, großen, schwarzen und gutartigen Hund, der leider zum Umfallen stinkt. Er hat den originellsten Namen ever: SPÄTZLE, über dessen Doppelsinn ich mich totlachen könnte – zumal in Augsburg angesichts der schwäbischen Küche. Ich konnte auf der weiten Auffahrt durch den Park auf dem Schotter nicht mehr laufen. Michael und Anna gingen zurück, wollten das Auto holen; ich wollte warten. Innerhalb dieser kurzen Zeit hat uns wohl der Hund als Gruppe erfasst und seine Aufgabe darin gesehen, ums zusammenzuhalten. ER kam völlig durcheinander. Es leuchtete ihm nicht ein, mich zurückzulassen: Er war buchstäblich hin und hergerissen, Anna und Michael zu folgen, blieb ratlos in der Mitte stehen, lief hin und her. Ich hab ihn so ins Herz geschlossen. Ein schönerTag. Jetzt todmüde.

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3 Kommentare

  1. Beate sagt:

    Das klingt alles sehr schön, was sich um den Besuch bei Anna rankt! Erinnere mich, dass ich in meinen 20er Jahren öfter auf Schloss Hemerten war, auch in der Nähe von Augsburg. Ähnlich abgeschieden. Da muss man froh sein, wenn man versorgt wird. Die Geschichte mit dem Hund ist so anrührend!

  2. Ines sagt:

    Sehr süß, wie der Hund mit Namen „Spätzle“ die Herde zusammenhalten wollte. Ich wusste nicht, dass es dich so erwischt hatte. Dass sich das Lesen von Prosa und Lyrik auf die Psyche auswirkt find ich auch einleuchtend. Ist zwar keine Psychotherapie, aber kann heilend sein, soviel ist klar.

  3. Renate sagt:

    Schön, dass du wieder gesund bist. Anna residiert in einem Schloss mit Bediensteten, die leider nicht da sind, wie besonders ist dass denn. Den BMW konntet dann doch hoffentlich ihr nutzen. Der Name für den Hund ist wirklich goldig. Ins Herz geschlossen hast du ihn, trotz Gestank.

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