2026-09-20-HH-Nachwehen – heilsames Schreiben – Wasserhähne, Alexandra, Lily, Ringelnatz mit Beate und Renate – Hochzeits- statt Geburtstag

Die Spuren eures seltenen Besuchs sind beseitigt, die Spülmaschine durchgelaufen, das innere Depot aufgefüllt – es wurde gehaltvoll geredet, geschrieben, vorgelesen, gerne und aufmerksam zugehört, gelacht und gespeist – schön war’s – so lässt es sich leben. Michael schickt Bilder von Floßfahrern an der Isar! Mainburg hat nicht geklappt – ist ja egal. Von Rudi kommt eine Whatsapp von einem zünftigen Trachtenfest – auch von dieser Art von Freude bekomme ich ein Stückchen ab. Da ich gestern (bei Dasein, sehr intensiv), heute mit euch und morgen und nächsten Samstag bei Aetas Schreibgruppe habe und dann am Ende des September das PoesietherapeutenSymposium, bin ich eingedeckt. Renate erinnert mich an unsere Russengruppe!! – die zwei Russen – Mutter und Sohn – leider weggezogen; eine Ukrainerin und eine junge Belarussin neu dazugekommen, die flüsternd liest; ein einmaliger männlicher Gast dazu. Auch dieser Ort und Inhalt, die Menschen in dem Kreis nehmen einen wichtigen Platz in mir ein. All das Lesen, Schreiben, die Begegnungen werfe ich in die Waagschale und hoffe, das Gift und den Schrecken aufzuwiegen, der uns in den Knochen sitzt. Gestern abend seltenes Vierertreffen mit Kino (Vaterland) und Pfälzer Weinstuben. Vielleicht letztes Draußensitzen in der spätsommerlichen Stadt? – Am Montag die dritte Schreibgruppe – das Heilmittel greift. Ich spüre den Gegensatz zu Michael, der dem Wahnsinn ganz ausgeliefert ist – so ohne Gegengift. – Dienstag große Freude: Nach unseren Erfahrungen mit Installateur, auf den wir monatelang warten und dann klappt es schlecht (Toilette!) habe ich (privat) bei einer Firma angerufen, die mir der Hausmeister nannte. Mischbatterie in der Küche leckt, Perlatoren allüberall lassen sich nicht abschrauben. Er kommt gleich heute Nachmittag – sehr nett, freundlich, bayrisch – wie anders haben wir das schon erlebt. Allein wegen der Küche warten wir seit zwei Monaten auf einen Kostenvoranschlag des anderen Installateurs. Nach Sichtung gleich am nächsten Tag neue Wasserhähne bekommen, die zwei Männer – teils liegend, teils auf den Knieen – mühevoll installiert haben (1,5 Std.). Gottlob hat Michael sich daran nicht versucht!

Dienstag Stippvisite bei Alexandra. Vorher trug sich Entscheidendes zu: Michael kam mit der x-ten Version eines Briefes an Kristina. Mir schien, langsam wird er selber verrückt. Ich habe auf den Tisch gehauen, Schluss jetzt, du hörst sofort damit auf. Jetzt. Nimm Bachblüten. Er nannte das einen „Anschiss“, hat aber in meiner Abwesenheit „White Chestnut“ gegen „kreisende Gedanken“ rausgesucht, eingenommen, ist dann zum Großwirt ausgerückt. Seitdem erkennen wir, wiesehr wir uns in diesen Geistes- und Seelenzustand haben hineinziehen lassen. Wir reagieren also gar nicht. Zudem kam ein Anruf von der Betreuungsstelle: Es sei jetzt jemand bereit, die Betreuung zu übernehmen. Das Verfahren brauche noch ca. vier Wochen. (Der erste war ja abgesprungen, als er Wind von der gemeingefährlichen Tochter bekam). Nach diesem Anruf hatte Michael einen Nervenzusammenbruch (vor lauter Erleichterung). Jetzt klingen noch die Nachwehen aus, ab und zu wallt eine irrationale Angst auf, aber wir hoffen, nach und nach ganz befreit zu sein. – Mittwoch mittags Lily im Tribeca, von wo aus mich Renate und Beate zu Ringelnatz abholten. Das war schön, allerdings legte sich eine merkwürdige, nicht nur positive Stimmung im Buchheimmuseum über uns. Die Bilder künstlerisch oder rein menschlich ansprechend – für mich leider etwas zu wenig Text. – Am Donnerstag unverständlicherweise den „Dialog der Gewässer“ in der BASK vergessen, auf den ich so gespannt war! – Samstag schöner, kleiner Aetas-Schnupperworkshop mit lauter potenziellen Weiter-Schreiberinnen – eine Freude. Kurz ausgeruht, dann zu Birgitta, die zwei Riesenkuchen gebacken hatte. Vierstündiges, reges Gespräch mit dem besten Kaffee ever aus einer ganz besonderen Kaffeerösterei, koffeinfrei (bei ihr für euch Schlaflose bestellt)!

Heute Michaels Geburtstag. Bine hat mich an Hochzeitstag erinnert, dagegen ist er nicht allergisch. Kleiner Kuchen, Sonnenblumen, dazu ein Plastikhochzeitspaar als Tischdeko. Nachher ein kleiner Ausflug. Strahlender Septembersonntag.

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4 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Glückwunsch zum Hochzeitstag. Der „Anschiss“ scheint geholfen zu haben. Unfassbar, wie sehr euch diese ganze Geschichte mitgenommen hat. Wenn man deinen Beitrag liest, könnte man denken, du stehst noch voll im Berufsleben mit deinen ganzen Schreib- und Lesegruppen. Aber anders als die frühere Lohnarbeit fühlst du dich durch diese Arbeit bereichert, wie Balsam für die Seele. Beneidenswert.

  2. Beate sagt:

    Herzliche Grüße und Glückwünsche zum Geburtstag und zum Hochzeitstag! Und nicht minder ein Bravo für die hoffentlich endlich überstandenen Sorgen wegen den Hamburgern. Vaterland hab ich auch gesehen, im Theatiner.Sandra Hüller mal wieder großartig!!!

  3. Renate sagt:

    Erstmal danke für die Rücksicht auf unsere Schlaflosigkeit. Wie gut, dass endlich ein Betreuer oder eine Betreuerin gefunden wurde und ihr damit entlastet seid. War das ein Irrsinn. Die Tochter wird doch nun Ruhe geben. Gratulation zum 5. Hochzeitstag.

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